Unser neuer Pfarrer

Daniel_Lippuner <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Walter&nbsp;Bstieler)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>klosters-reformiert.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>27</div><div class='bid' style='display:none;'>192</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>
Unser neuer Pfarrer
Daniel Lippuner
In lebhafter Erinnerung bleibt mir ein Gespräch, das ich vor etwa zehn Monaten mit meinen beiden Teamkollegen aus Australien und Finnland im vollbepackten Geländewagen führte. Nach einer freien Woche in Tiberias am See Genezareth fuhren wir zum UN-Beobachtungsposten auf den Golan-Höhen. Aufgrund jüngster Covid-Massnahmen konnten wir die vergangenen «Ferientage» nur mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit verbringen. Es war schwierig, auf Tage hinaus seinen Lebensalltag zu gestalten – und unmöglich, den nächsten Heimurlaub in der Schweiz zu planen. Umso seltsamer berührte mich das Gesprächsthema meiner rund 30-jährigen Freunde. Als Berufsoffiziere hatten sie auf Jahrzehnte hinaus bereits ausgerechnet, ab wie vielen Jahren das angesparte Geld für eine Frühpensionierung ausreichen würde. Meine eigene Lebensgeschichte hatte mir vor Augen geführt, dass Prognosen in die ferne Zukunft mit äusserster Vorsicht zu treffen sind. Nie hätte ich vor zehn Jahren gedacht, einmal dem pfarrdienstlichen Ruf zu folgen.

Nun aber der Reihe nach. Meine erste Schulzeit verbrachte ich in Arosa, bevor ich mit zwölf Jahren ins Internat der Klosterschule Disentis zog. Trotz meines Rheintaler Nachnamens fühle ich mich also durch und durch als Büntner. Die Faszination für Mathematik führte mich nach Zürich, wo ich ein Ingenieurstudium absolvierte. Nach verschiedenen Stationen in der Industrie durfte ich schliesslich die Stelle als Prorektor an der Interstaatlichen Hochschule für Technik in Buchs SG antreten. Meinen Wunsch, Pfarrer zu werden, setzte ich vor knapp sieben Jahren in die Tat um, als die Universität Bern ein vollwertiges Theologiestudium für Akademiker ins Leben rief. Mein Vikariat verbrachte ich in Brienz BE, wo ich bereits den Charme und die Eigenheiten einer ländlichen Kirchgemeinde in schöner Berglandschaft schätzen lernte. Da ich immer noch Aktivdienst in der Schweizer Armee leiste, verschob ich nach meiner Ordination den Antritt einer Pfarrstelle um ein Jahr, und zwar zugunsten eines Auslandaufenthaltes als UN-Militärbeobachter. So durfte ich das Land Israel mit seinen historischen Perlen von einer ungewohnten und spannenden Perspektive kennenlernen.

Während dieser Zeit schien ich Gespräche der eingangs geschilderten Art magnetisch anzuziehen. Wie sehr genoss ich es, meine Alltagsweisheiten mit den Erfahrungen anderer Menschen aus der ganzen Welt zu bereichern. In früheren Stationen meines Berufslebens kam die Beziehungsebene wegen der (Über-)Betonung der Sachebene oft zu kurz. Es ist deshalb ein kostbares Privileg des Pfarrberufs, in die Lebenswelt von Menschen einzutauchen und sich mit ihnen über Grundsatzfragen unseres Daseins auszutauschen. Den Ausschlag für meinen Karrierewechsel gab jedoch meine Erfahrung, dass Gott die Quelle der Kraft zur Nächstenliebe ist. Anders ausgedrückt ist die Liebe zu meinem Mitmenschen das Überfliessen meiner Liebe zu Gott, der mich von allem Anfang an geliebt hat. Dieses Geheimnis unterscheidet den Seelsorger vom Therapeuten.

Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen. Beziehungen haben einen hohen Stellenwert – und im besonderen Masse liegen meiner Frau Claudia und mir eheliche Beziehungen am Herzen. Ebenso glaube ich an die Kraft des Gebetes. Es wäre mir eine grosse Freude, wenn immer mehr Menschen in unserer Kirchgemeinde erfahren dürfen, dass Gebete und Fürbitten erhört werden. Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus sichtbar gemacht. Diese frohe Botschaft hat heute noch dieselbe Lebenskraft wie vor zweitausend Jahren. Die Verwirklichung unserer menschlichen Pläne ist von der göttlichen Gnade getragen. Dieselbe Gnade trägt uns aber besonders durch jene Zeiten hindurch, in denen die Umstände uns zwingen, unsere Pläne zurückzustellen. Zusammen mit den anderen engagierten Mitarbeitenden und Freiwilligen unserer Kirchgemeinde möchte ich meinen Beitrag leisten, mit Menschen jeder Generation nach Antworten auf Lebensfragen zu suchen und sie auf den christlichen Glauben «gluschtig» zu machen. Im grosszügigen Kirchgemeindehaus von Serneus haben wir uns bereits eingerichtet – und ich freue mich, meinen Pfarrdienst in der Kirchgemeinde Klosters-Serneus nun anzutreten.